Reiseberichte Teil 4

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Vom Beach ins Cattle Country

Jetzt, wo ich diese Mail schreibe, sitzen wir am Hells Gate Roadhouse, zwischen Domadgee und Borroloola, die Kakadus schauen vom oben beim Schreiben zu und schmeißen mit Ästen, der Campground ist unser und die Wäsche hängt auf der Leine – leichter Wind und Sonne lassen sie in Nullkommanichts trocknen. Der Himmel, natürlich wie immer knatschblau, zur Abwechslung zwischendurch ein paar Schäfchenwolken.

„Beware“ – ein gutes Motto für diesen Abschnitt. Nicht nur die Rinder, die sich nur gemächlich aus dem Staub machen wenn man angefahren kommt, auch die Adler, Habichte und Kängurus, die Staublöcher auf den Pisten, die das Auto heftig ins Schlingern bringen, die Dip`s (tiefe Senken), der Staub und die Schlaglochpisten halten uns gut in Trab.

Von Karumba – am Strand – ging es wieder über Normanton nach Burketown. Unterwegs das letzte Camp der Expedition von Burke und Wills (1861) an den Gulf of Carpenteria. Im Baum noch ihre Insignien eingeritzt, den Golf nicht mal gesehen und auf dem Rückweg nach Südaustralien (Adelaide) bis auf einen alle verreckt…

Weiter durch die Leichhardt Falls. Leichhardt hat die Route am Golf von Ost nach West gemacht.

Burketown, Cattle (Vieh) Stadt, schläfriges Nest am Highway. Um zu wieder viel alter Kram. Eine zerfallene Fleischfabrik, ein 700m tief gebohrter Brunnen, der heißes Wasser liefert und in den Wiesen drum herum hundert Kängurus beim Fressen.

 

Am Abend dann dieser grüne Geselle auf dem Campingplatz in der Küche.

 


Lawn Hill Nationalpark

Von Burketown ging’s vom Highway No. 1 (Highway?? – einspurig asphaltiert, graveled oder Waschbrettpiste) ins Land hinein. Eine kleine Schleife (300 km) zum Lawn Hill Nationalpark, mit einer großen Fossilienfundstätte, vor 25 Millionen ein Flussbett, mit Resten von „Big Birds“ – flugunfähigen, 2.5 m hohen, 300 kg schweren Vögeln und Riesencrocs, und ein stilechtes Höhlenklo, in der Art der Familie Feuerstein…

 

Im Lawn Hill N.P. eine wunderschöne Gorge (Schlucht) mit viel Wasser, Palmen und steilen roten Wänden.

Und am Campingplatz zog der Fluss auch vorbei. Der Platz war bis Ende der 50er Jahre ein „Botanischer Garten“ – ein französischer Botaniker hatte hier tausende verschiedener Pflanzen angepflanzt, aber dann ist alles abgebrannt und er wenige Jahre später verrückt in einem Heim gestorben. Trotzdem eine Oase im staubigen Outback.

 

Das Heftchen zum Park und Campground vermerkt u.a. folgendes zur hiesigen Tierwelt: „After dark is when you might see our Olive Python, olive-brown in colour, up to about 4 metres long and as thick as the top of your arm. This bloke feeds warm blooded animals such as birds and wallabies and although no cases of human predation are known to us, babies and very small children could well fall within the size range of prey fort his reptile. We do not seek to alarm you unduly with this information but merely to make you conscious of the possibility. Although snakes have the ability to squeeze through very small openings they cannot open tent zips or caravan doors…“ Beruhigend zu wissen, oder? Wir haben trotzdem einen schönen Abend unter freiem Himmel verbracht und gut wie immer hier draußen geschlafen ;-)

Durch Rinderherden nach Hells Gate

 
Heute zog sich der Weg über Farmen (ich war der Gatekeeper – alle 5 km ein Tor auf- und wieder zumachen), durch Rinderherden, an Cowboys auf ihren Pferden, Schrottautos im Busch, staubige Pisten, Aboriginalsiedlungen erst durch platt getretenes Weideland (sieht ganz schön kaputt aus) dann durch dichteres Buschland und wieder den Highway No. 1 bis hierher zum Hells Gate Roadhouse.  Der „Amenities block“ (Waschhaus) stilecht zum Hells gate (ein paar Steinen hier in der Nähe) aufgeteilt für Devils und Angels.

Jetzt sind es nur noch gut 50 km bis zur Grenze zum Northern Territory, dann werden die Uhren eine halbe Stunde zurück gedreht. Und die nächste Tanke ist auch über dreihundert Kilometer weg. Also heißt es morgen noch mal wieder auf 180 l Diesel auffüllen. Auch wenn das Auto nur gute 15 l / 100 km verbraucht, ist das eine der Grundregeln hier im Outback. Auto Auftanken wann immer es geht – egal was kostet (hier 1,80 AUS $ /l in Brisbane waren es 1,30 AUS$ /l). Und genug Wasser dabei haben (haben 15 l in Kanistern unten im Auto liegen… und dann noch den obligatorischen Notsender, falls mal richtig was passiert – was wir natürlich nicht hoffen. Jetzt in der dry season ist es auch sicher nicht so gefährlich hier lang zu ziehen, aber letztes mal war es ja auch nur ein kleiner Fahrfehler, der das Auto im Busch landen ließ…

In der „Wet“ (Regenzeit von Dezember bis März) ist das Land um uns herum nur aus der Luft zu erreichen, alles unter Wasser oder so tief verschlammt, das nichts mehr geht. Hier im Road House hängen Fotos von den Fluten und Straßen, unter anderem ein Tankzuganhänger, der drei Monate am Straßenrand liegen bleiben musste, weil es zu aufgeweicht war, schweres Gerät heranzuschaffen…

Nachher gönnen wir uns ein ordentliches Steak im Road House und lassen wieder die Sterne auf uns scheinen… Und gerade kommt noch ein Cowboy mit seinem Chopper auf `nen Kaffee und ein Schwätzchen angeflogen,  Schlafsack und Zelt auf dem „Beifahrersitz“ ;-)
Und rechts von mir, in 10 m Entfernung, kommt Familie Känguru in der untergehenden Sonne angehüpft, um die Feierabend Futter- und Trinkstunde einzuläuten…

 

 

Hells Gate – Borroloola – Cape Crawford

 
Nach einem guten XXL Rump Steak gestern Abend und einem vorzüglichen Frühstück mit Ham & Eggs ging es heute weiter von Hells Gate bis zum Heartbreak Hotel, warum das so heisst? Keine Ahnung – ist halt das Roadhouse hier in Cape Crawford. Die Strecke, gut 400 km, verlief erst durch flaches und dann aber immer hügeligeres Land. Wenig Weiden, ein paar Minen oder Reste davon und zum großen Teil „gravelled“ Road. Nicht spektakulär – aber einfach schön – Outback pur – und nicht soviel kaputtes Weideland. Zwischendurch wohl 10 Flußdurchfahrten – einmal hat sich Klaus als Dammbaumeister hervorgetan, während ich wie immer mit Latschen an den Füßen im Wasser herumstand und zuschaute ;-)

Morgen startet dann der letzte „wahre“ Outbacktrack, über Roper Bar nach Mataranka, bevor wir uns wieder der Zivilisation mit Katherine und Darwin nähern. Aber bis dahin dauert es noch ein paar Tage und frühestens aus Katherine werde ich diese Mail abschicken, denn hier draußen ist es noch nicht so weit mit Internet überall und die Handys sind sowieso schon seit über `ner Woche stumm…

Und bevor der Outbacktrack gestartet ist, Frühstück im Roadhouse (Ham & Egg), den Roadtrain vor der Tür bewundern und tanken (wieder mal 360 km bis zur nächsten Tanke in Roper Bar.

Steinensemble, Buschcamp und ein Plattfuß

180 km hinter Cape Crawford beginnt der Limmen Nationalpark. Noch nicht ganz in Betrieb, aber die Highlights waren schon zu besichtigen. Mit Schwierigkeiten. Zuerst einmal mussten wir das Ranger Camp finden, gut versteckt die Abzweigung, doch dann doch irgendwann da gewesen. Dort gab es den Schlüssel fürs Tor und eine kurze Einweisung und Wegbeschreibung. Nach der Rückkehr sollten wir wenn keiner da ist den Schlüssel ins Office hängen, dann würden wir wieder aus der Liste ausgetragen werden. Ach ja, der Weg sei gut zu erkennen, und da wäre ein neuer Teil, mit Magenta Bändern markiert, den sollten wir mal nehmen…

Lange Rede – das Tor hinter uns gelassen und für die 28 km haben wir fast zwei Stunden gebraucht. Ein Feldweg ist eine Autobahn dagegen. Fiese, steile Flußduchfahrten, übelste Buckelpiste, Sand, alles was das Herz eines Offroaders erfreut – und dazu angenehme 37 Grad im Schatten. Aber was wir dann zu sehen bekamen hat sich einfach nur gelohnt. Eine „Lost City“ – eine Ansammlung verwitterterte Sandsteintürme in unzähliger Menge, dazwischen grünes Spinnifexgras. Unbeschreibliche Bilder. In jeder Steinformation haben wir ein anderes Wesen erkannt. Das Theater, Elefanten, Muskelmänner, Sternenkrieger…

Irgendwann waren dann die Akkus der Kameras leer und die Speicherkarten voll und wir haben uns die 28 km zurück“gekämpft“ um dann in der Butterfly Gorge  unser Camp aufzuschlagen. Ein kostenloser Platz des Nationalpark, mit Feuerstellen, zwei Toiletten und einem wasserfallgespeisten Pool. Nach den obligatorischen Baked Beans zum Abendessen gab es als Nachtisch wieder Milchstraße und Sternenhimmel in aller erster Güte.

Heute ging es dann die weiteren 260 km weiter nach Mataranka, ein Campingplatz mit Thermalquelle und Pool im dichten Palmenwald. Kannten wir schon vom letzten Mal vor zwei Jahren – und wieder prima im 34 Grad warmen Wasser abgehangen. Um danach an der Bar ein Tooheys Ale, Rump Steak oder Baramundi (Fisch) zu essen.

Ach ja – und zwischendurch hat sich dann heute noch ein Hinterrad verabschiedet. Eigentlich kein Problem – nur bei 40 Grad im Schatten dann doch etwas schweißtreibend das Rad zu wechseln, zumal der Schatten gerade weg war. Der Reifen ist im Arsch – Morgen gibt es in Katherine zwei neue.

Jetzt ist aber Schluss für heute. Die Kängurus hier auf dem Platz machen Show. Sitzen ein bis zwei Meter neben und zwischen uns und lassen sich genauso wenig stören wie wir.

Macht’s gut – bis zur nächsten Mail – von irgendwo zwischen Katherine Gorge, Kakadu N.P. und Darwin!

Euer Ole und Klaus, total relaxt und nicht wirklich gewillt den Urlaub demnächst (so in 10 Tagen) zu beenden ;-)

 

 

P.S.: All den  Kranken und/oder im Krankenhaus liegenden wünschen wir natürlich Gute Besserung !!!