Australien 1993

Home nach oben Australien 1993Teil 2

Hallo!

Du kannst mich und meinen Freund Olaf, den ich aber meist Ole nenne, weil er ja mein bester Freund ist, ein bisschen begleiten.

Bist Du schon mal weit gereist ? So richtig weit ? Nicht nur von Altona nach Finkenwerder, oder von Kaltenweide nach Wiesenau ? Klar, sagst Du, bin ich schon. Dann weißt Du ja auch, wie das so geht. Ich bin auch gerade ganz weit gereist, und davon will ich Dir nun erzählen.

Ole plant

Es war zu der Zeit, als Ole noch studierte und nebenbei arbeitete, jetzt arbeitet er nur noch und studiert nicht mehr.

Eines Tages kam er von der Arbeit , von den großen Flugzeugen, die in die weite Welt fliegen, und erzählte mir freudig, er würde bald eine große Reise machen, wäre heute bei der Lufthansa gewesen, und hätte die Erlaubnis bekommen, mich mitzunehmen.

Es sollte am Freitag, dem 13. August, losgehen.

Es war noch so viel zu tun, wir packten unsere Rucksäcke, putzten die Schuhe, machten die Fotoapparate klar, besorgten uns Geld, suchten den Schlafsack, ein bisschen Sonnencreme, es sollte ja in den Süden gehen.

Und kurz bevor es losging, Ole und ich lagen zum Einschlafen bereit im Bett, erzählte er mir eine kleine Geschichte, ... (die er mal in einem Buch gelesen hatte, dessen Titel ihm aber nicht mehr einfällt:-)

Die Ameisen

In Hamburg lebten zwei Ameisen,

Die wollten nach Australien reisen.

Bei Altona auf der Chaussee

Da taten ihnen die Beine weh,

Und da verzichteten sie weise

Dann auf den letzten Teil der Reise.

Er sagte, dass es uns hoffentlich nicht so gehen würde, denn so ganz sicher sei es ja nicht, dass wir dahinkämen, wo wir hin wollten. Denn wir hatten ja ein billiges Flugticket und es hätte passieren können, dass wir nicht wegkämen ... .

HAJ - FRA - SYD

Siehst Du die Zeichen da oben? Verstehst Du sie ? Ole hat es mir erklärt. Er sagt. HAJ steht für den Flughafen Hannover. Nicht nur, dass Ole da arbeitet, wenn er mal nicht gerade studiert, hier geht die eigentliche Geschichte erst richtig los.

An dem Morgen sind Ole und ich dann ganz früh aufgestanden. Seine Mutter hat uns zum Flughafen gebracht. Da sollte um 7 Uhr der Flieger losfliegen. Vorher wurden jedoch noch Ole seine Papiere genauestens kontrolliert, und dann hatten wir noch ein bisschen Zeit, zu frühstücken und den Flughafen anzugucken. Ole erklärte mir, was er hier macht, wir sind dann in einen Airbus gestiegen, der Kapitän hat uns begrüßt und die Frauen, man nennt sie Stewardessen, haben kontrolliert, ob wir angeschnallt sind. Es hat ein bisschen gerumpelt. Wir haben noch einen Kaffee bekommen und wieder ein bisschen rumpeln, und schon waren wir in Frankfurt, dafür steht das FRA. Mann, da war was los, ganz viele Flugzeuge, Menschen, Autos, Lautsprecherdurchsagen, Anzeigetafeln, auf denen Städte der ganzen Welt standen. Ole war etwas unruhig. Denn wir mussten warten. Um 8 waren wir da, und erst um 10.40 sollten wir wissen, ob wir mitkommen nach SYD, was für Sydney steht, unserem Ziel.

Na ja, wir vertrödelten die Zeit, schauten uns um, gingen dann schon mal nach B36, wie die Frau von dem Lufthansa Schalter das nannte. Zwischendurch wurde ich mit dem Rucksack durch einen Tunnel geschickt, in dem die Leute erkennen können, was da drin ist, ohne reinzugucken. Aber mich haben sie wohl nicht erkannt, sonst hätten sie mich sicherlich bewundern wollen !

Puh, es war ganz schön warm an dem Tag. 10.30 Uhr, Ole wusste immer noch nicht, ob es losgeht. Und es waren noch so viele andere da, die darauf warteten , mitgenommen zu werden.

Doch dann, um kurz nach halb elf rief eine Frau nach Ole, er ging zum Schalter, gab seine Papiere und seinen großen, schweren Rucksack ab, bekam eine Bordkarte für uns und dann war er ganz lustig ! Denn nun wussten wir, es geht los ! Australien, wir kommen !

LH 788

Das war unsere Flugnummer. Mit dieser Nummer ist ein Riesenflugzeug gemeint, ein Jumbo Jet. Da gehen fast 400 Leute rein, der wiegt beim Start soviel wie 380 VW Golf, hat Ole gesagt, und so einen hat er ja auch. Und der Jumbo fliegt so weit, wie ich nie hätte laufen können. Ohne zu tanken, ohne mal eine Pause zu machen, 12 Stunden. Was muss das für ein Vogel sein ! Hätten doch die Ameisen aus Hamburg gewusst, dass es so was gibt, sie hätten nur nach Fuhlsbüttel laufen sollen, dort einsteigen und in einem Tag wären sie in Australien gewesen, so wie Ole und ich.

Aber noch waren wir nicht da. Wir waren noch nicht einmal im Flugzeug, da mussten die Leute erst noch ein bisschen dran herumschrauben, kleine Panne, so dass wir erst um zwölf Uhr einsteigen konnten.

JumboDafür bekamen wir auch einen tollen Platz, am Fenster, vor dem einen großen Flügel. Und neben uns setzten sich zwei Frauen, die wohl schon Omas waren. Von Australien erzählten sie: Da lebten sie nämlich die meiste Zeit. Ole und ich hörten zu, staunten, fragten, so verging der Flug ganz schnell. Zwischendurch konnten wir Musik hören, Filme angucken, es gab jede Menge zu essen und zu trinken. Na und dann haben wir ganz viel aus dem Fenster geguckt. Mann, war das spannend. Wir flogen auch über Potsdam, Berlin und sogar Wildau, das ist da, wo ich Ole zum erstenmal sah. Dann über Polen, Russland, wir sahen die Wolga, Wüste, Seen, Wälder, Wolken, ... . Bis es dunkel wurde.

Auf den Bildschirmen im Flugzeug wurde zwischendurch immer wieder angezeigt, wo wir gerade lang fliegen. Da war so eine Landkarte, auf der die großen Städte, Berge, Flüsse, die Strecke, Höhe und die Zeit für unseren Flug gezeigt wurden. Da konnten wir genau verfolgen, wo wir gerade sind. Ole hat mir dann immer erklärt und vorgelesen, was da stand. So flogen wir in der Nacht über Kabul und Indien, da hat es geblitzt von den Gewittern; über ein Meer, nach Thailand, und schließlich kamen wir zu unserem ersten Ziel, Singapur. Das war eine Aussicht, wie sie wohl selten ein Igeling bekommt ! Ein Meer aus Lichtern. Die Stadt, die vielen Schiffe im Hafen, und dann die Landung. Ein Riesen-Luxus-Flughafen, wir brauchten nicht selber zu laufen, da waren große Bänder, auf die wir uns nur drauf stellen mussten.

Damals wusste ich noch nicht, dass ich in einem Jahr schon wieder dort sein würde. Die Geschichte erzähle ich Euch aber ein anderes mal.

Als es dann weiterging, war eine neue Besatzung im Flugzeug, auch die, die das Essen und Trinken brachten. Ole erklärte ihnen wieder, was so ein Igeling alles braucht auf so einem langen Flug. Zu sehen war nicht viel, nur noch Wolken und ab und zu mal eine Bergspitze, Vulkane, wie ich im nächsten Jahr lernen sollte!

Es war schon dunkel, als wir in Melbourne in Australien landeten. Vorher ging die Besatzung noch durch das Flugzeug, und sprühte etwas in die Luft. Das machen die immer, wenn sie in Australien ankommen. Denn dort gibt es nicht so viele Krankheiten, und das wollen die Australier auch so behalten. Darum muss alles desinfiziert werden. Obst und Tiere dürfen nicht so einfach in das Land. Aber für mich hatte Ole ja eine Erlaubnis.

Draußen auf dem Flughafen regnete es und wir waren ganz schön müde. Aber dann kam etwas Lustiges, in einem Geschäft lagen ganz viele Tiere, richtig komisch sahen die aus, hatten Beutel, lange Schwänze oder auch ganz witzige Gesichter. Ole sagte, das seien Kängurus und Koalas.

Noch waren wir nicht ganz da. Es ging nach einer Stunde weiter. Um 19 Uhr landeten wir in Sydney, mussten durch die Kontrolle, aber der nette Grenzbeamte hatte nichts dagegen, dass Ole und ich einreisten. Und schon bald hatten wir auch unseren großen Rucksack wieder, und Ole machte sich mit mir auf den Weg, ein Bett für die Nacht zu finden. Vorher fragten wir gleich noch bei der Lufthansa auf dem Flughafen, wann denn noch Rückflüge frei wären, das hörte sich gar nicht so gut an, Ole war ein bisschen komisch. Aber am Montag wollten wir dann noch mal fragen, in der Stadt.

Ein Bett

Ein Bett zu bekommen war gar nicht schwierig. Wir riefen bei einer Jugendherberge an, und die hatten noch ein Bett für Ole und mich. Sie sagten uns auch welchen Bus wir nehmen müssten. Also fuhren wir los. Das war was ! Da fuhren die alle auf der falschen Seite mit ihren Autos und Bussen, ob das wohl richtig war ? Nach einer Stunde, zwischendurch mussten wir noch in einen großen Bus umsteigen, meinte Ole dann, nun sind wir da. Ein kurzes Stück gingen wir noch, dann kam ein Haus, in dem ganz viele Zimmer und Betten waren.

Puh, jetzt waren wir seit ein ein halb Tagen unterwegs, und konnten endlich schlafen. Aber nein, Ole wollte noch gucken. Also los ! Weit sind wir aber nicht gekommen, nur ein Cafe an der Hauptstraße und ein paar Geschäfte haben wir noch geschafft. Als wir im Bett lagen, konnten wir nicht recht schlafen. Ole meinte, das nennt man Jet-lag, das käme daher, dass es zu Hause in Deutschland ja acht Stunden früher sei. Also, wenn es in Sydney 8 Uhr abends ist, zeigen die Uhren in Hannover erst zwölf Uhr mittags an.

Australien

Jetzt will ich erst mal was über Australien erzählen.

Du hast vielleicht schon einmal eine Karte von Australien gesehen ? Doch damit Du es Dir noch mal angucken kannst, will ich Dir diese Karte zeigen, da siehst Du auch gleich, wo Ole und ich überall waren.

Das Land ist so groß wie Europa. Es wohnen da 17.400.000 Menschen, das sind nicht viele, denn in Hamburg wohnen auch schon 2.000.000. Wenn man von Sydney an das andere Ende von Australien will, muss man 4000 km fahren. Das ist so weit wie von Hamburg zum Nordpol, glaube ich.

Sydney

Was glaubst Du, wie schwierig es ist, Ole wach zu machen. Ich habe es am ersten Morgen in Sydney ausprobiert. Unser BettAls ich es endlich geschafft hatte, war es schon fast Mittag. Und wir wollten doch noch was erleben. Außerdem musste Ole doch zu den Bussen, mit denen wir weiterfahren wollten. Nachdem wir schnell gefrühstückt hatten, sind wir in die Stadt gefahren, zuerst zu dem Bus-Terminal. Ole hat dann so eine Karte bekommen, mit der konnten wir hinfahren wo wir wollten, ein Aussie-Pass.

Wir sagten dem Mann auch gleich, dass wir zum Ayers Rock wollten. Da tippte er in seinem Computer rum, und gab Ole einen Zettel, auf dem alles drauf stand. In zwei Tagen sollte es losgehen. Also hatten wir noch viel Zeit für die Stadt.

Wir gingen also los. War gar nicht schwer im Stadtplan einen Weg zum Circular Quay, dem Fährhafen, zu finden.

Ha, da war es lustig. Musiker spielten und Jongleure, da waren viele Menschen, Schiffe und Boote, die Sonne schien und es war gar nicht kalt. Wir brauchten gar keine Jacke anziehen.

Du siehst ja auf den Bildern, wie toll es da war.

Hedgie vor der Oper in Sydney
Natürlich haben Ole und ich die Oper, die Harbour-Bridge und das alte Stadtviertel "The Rocks" ausgiebig erkundet.

So verging flugs unser erster Tag in Australien, wir schrieben noch ein paar Postkarten und kamen erst ziemlich spät wieder in die Jugendherberge. Um dort noch in die Sauna zu gehen war es schon zu spät und ein Bad, im Pool auf der Dachterrasse, wollten wir auch nicht mehr nehmen, es war doch zu kalt, im Winter ... .

Also schliefen wir bald ein, träumten vom vergangenen Tag und den vielen tollen Sachen, die wir gesehen und erlebt haben.

Am nächsten Tag setzten wir unsere Erkundung fort, fuhren auf den Sydney Tower, das mit 324.8 m höchste Bauwerk der Südhalbkugel, um einen wahnsinnig aufregenden Ausblick über die Stadt und deren Umgebung zu genießen.

Danach mussten wir noch bei der Lufthansa vorbeischauen, um uns um unseren Rückflug zu kümmern. Es blieb dabei, alle Flüge im September waren so voll, dass wir wohl schon sehr bald wieder nach Hause fliegen müssen. Aber noch wollten wir uns möglichst viel von diesem Land angucken.

Auch dieser Tag verging wie im Flug, und schon am nächsten Morgen brachen wir dann auf, zu neuen Zielen.

Unterwegs

Pünktlich um 11.00 Uhr startete unser Bus nach Adelaide. Uns standen die ersten 20 Stunden und 1950 km Fahrt bevor. Es ging auf einem Motorway aus Sydney ins Land. Schon bald lag die Stadt hinter uns und die ersten Känguruschilder tauchten am Straßenrand auf. Die Pflanzen und Bäume sahen ganz anders aus, als bei uns zu Hause am Straßenrand. Es war alles grün, mitten im Winter, und die Erde sah nicht schwarz sondern rot aus. Bei so viel Neuem verging der erste Teil der Fahrt wie im Flug, und am frühen Nachmittag machten wir die erste Rast in Canberra, der Hauptstadt von Australien. Wir sahen nicht viel von dieser jungen Stadt, denn der Bus fuhr nur an den Stadtrand.

Die Fahrt führte uns dann durch Wagga Wagga, Griffith und Mildura an die Grenze nach Südaustralien. Mitten in der Nacht hielt der Bus an, ein Polizist stieg ein, fragte nach Obst und Gemüse, denn das darf man nicht einführen, wegen der Krankheiten, die damit eingeschleppt werden könnten.

Am frühen Morgen kamen wir bei Regenwetter in Adelaide an. Unsere erste Etappe war erreicht.

Adelaide

Nachdem wir unseren großen Rucksack für die Weiterreise aufgegeben hatten, ein ordentliches Frühstück mit Rührei und Toast im Bauch hatten, machten wir uns auf den Weg. Wir wollten den Tag nutzen, um einen Eindruck von dieser Stadt im Süden zu gewinnen. Zuerst kaufte Ole noch ein bisschen ein, was zu Essen und zu Trinken und eine Matte zum Schlafen, denn der Rucksack sei ja noch nicht voll genug, meinte er.

Dann statteten wir dem Botanischen Garten einen Besuch ab, nicht schlecht, was da so alles steht. Bäume und Blumen aus der ganzen Welt, ein ganz modernes Urwaldhaus, Teiche, Vögel und viel Platz zum ausruhen. Außerdem sahen wir noch die alten Häuser an der North Terrace, die Universität, Markthallen, die Straßenbahn und das ganz moderne Festival Center mit einem großen Platz voller Kunst davor.

Es geht in den Outback

Bevor es mit dem Bus weiterging, buchten wir noch die Besichtigungstour im Uluru National Park und unserer Jugendherberge in Alice Springs.

Doch bis dahin lagen noch 1700 km Busfahrt vor uns, durch die weite, fast menschenleere Landschaft im nördlichen Teil von Südaustralien.

Der Bus war nur halb voll, so konnten wir es uns bequem machen, den Sonnenuntergang genießen, einen Videofilm sehen und nach Kängurus Ausschau halten. Die ersten sahen wir neben der Straße, tot, überfahren. Unser Bus hatte einen großen Kuhfänger und ein Gitter an der Front, denn es liefen auch Rinderherden über die Straße.

Die ganze Nacht fuhren wir durchs Land, kurz nach Mitternacht machten wir Rast in Cobber Peddy, einer Stadt, in der die Leute meist unter der Erde wohnen sollen, wo Opale geschürft werden. Da es dunkele Nacht war, sahen wir nicht viel und Opale gab es auch noch später.

Am frühen Morgen, kurz vor Sonnenaufgang, kamen wir in Marla an. Eigentlich gar kein Ort, sondern ein Road House, also so eine Art Raststätte, eine Polizeistation, und sonst ganz viel nichts drum herum. Aber kalt war es draußen, und wir freuten uns, dass im Gastraum ein Kamin brannte. Und ein warmer Kaffee wartete, den Ole wie so oft "white" - also mit Milch - trank.

Weiter ging es - alle Stunde hielt einer der beiden Busfahrer an, stieg aus, ging zu einem Fass, einem Kasten oder einem anderen verschließbaren Behälter, legte eine Zeitung, Post, Fracht hinein und holte manchmal auch was raus. Also auch gleich noch als Postbote unterwegs !